Hintergrund

Bessarabien ist heute Moldawien
 
Das frühere Bessarabien liegt innerhalb der Republik Moldau, dem heute ärmsten Land Osteuropas, welches ehemals Teil der Sowjetunion war. Vor dem Holocaust waren etwa sieben Prozent der Bevölkerung Juden, in manchen Städten gar bis zu 90 Prozent. Die Sprache in diesen osteuropäischen Schtetln war überwiegend Jiddisch. Zu der Geschichte der Roma in Bessarabien gibt es fast keine Aufzeichnungen. Bekannt ist, dass sie dort ebenso in Dörfern und Städten siedelten. Weniger als 0,5 Prozent der Bevölkerung waren, so heutige Schätzungen, Roma. Vermutet wird, dass sich die Zahlen der heutigen Romabevölkerung wieder dem Vorkriegsstand angenähert haben.


Klezmer und Klezmorim
 
Klezmer (aus dem aramäischen „kli zemer“, deutsch „Gefäß des Liedes“) ist eine aus dem aschkenasischen osteuropäischem Judentum stammende Volksmusiktradition. Etwa um das 15. Jahrhundert entwickelten „Klezmorim“ genannte Musiker in der bessarabischen Region eine Tradition weltlicher (nichtliturgischer) jüdischer Musik. Sie orientierten sich an bestimmten religiösen Traditionen, die bis in biblische Zeiten zurückreichten. Ihre musikalische Ausdrucksweise entwickelte sich indessen weiter bis in die Gegenwart. Das Repertoire besteht vor allem aus Musik zur Begleitung von Hochzeiten und anderen Festen. Ursprünglich bezog sich der Begriff Klezmer (Plural Klezmorim) auf die Musiker. Erst mit der Wiederentdeckung dieser Musik in den USA in den 1980er Jahren, findet der Begriff Anwendung zur Bezeichnung des musikalischen Genres. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde diese Musik zumeist „jiddische“ Musik genannt.


Lautar und Lautari
 
Lautar-Musik (vermutlich aus dem Wort Laute gebildet) ist eine vor allem in Rumänien und dem heutigen Moldawien gespielte Volksmusik der Roma. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts spielten viele Roma an den Höfen der großen Bojaren. Nach Abschaffung der Sklaverei ließen sie sich an den Peripherien der großen Städte im Süden Rumäniens nieder, brachten Melodien und Klangfarben aus der griechischen und osmanischen Musik und ihre Feierkultur mit. Die Familiendynastien der Romamusiker, die mit Musik ihren Lebensunterhalt verdienen, werden Lautari genannt. Ihr durch Hören erlerntes Repertoire wird bis heute von Generation zu Generation weitergegeben. Lautari traten und treten wie die Klezmorim auf Hochzeiten und anderen Feierlichkeiten auf. Dabei spielen sie teils tagelang bis zur physischen Erschöpfung sehr schnelle rhythmische Tanzmusik. Improvisation war ein wichtiges Element ihrer Musik. Die heute typische Besetzung eines bulgarischen und moldawischen Lautar-Ensembles besteht aus Geige, Cimbalom, Akkordeon, Kontrabass, Trompete und Klarinette.